Sommeratelier / Pleinair Dresden – eine Idee wird geboren

Bevor im Jahr 2008 der Park des Japanischen Palais von Künstlern als freies Atelier entdeckt wurde, gab es eine Vorgeschichte im Jahr 2005 an einem anderen Ort unweit des Japanischen Palais. 2005 hatte der georgische Künstler Aleko Adamia die Idee ein offenes Atelier – ein Pleinair in Dresden aufzubauen. Er fragte seinen Freund Jörg Polenz, der damals die Filmnächte am Elbufer mit veranstaltete, ob es möglich wäre, auf den Elbwiesen am Königsufer ein Sommeratelier zu organisieren.

In der Kunst-und Kulturstadt Dresden arbeiten Künstler an Leinwänden – einsehbar für alle Gäste der Stadt von der Brühlschen Terrasse und den Elbbrücken bzw. erlebbar für alle Spaziergänger entlang des Elberadweges, diese Vorstellung Aleko Adamias hat Jörg Polenz fasziniert.  Auf der Suche nach Partnern für diese Idee wurde mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein Verbündeter gefunden. Daraufhin begaben sich mehr als 80 Künstler aus ganz Sachsen auf die Spuren Bernardo Bellottos.

Vier Wochen lang wurde das Gelände jeden Tag bei Wind und Wetter von den Künstlern genutzt und sie ließen sich während der 25 Tage von dem unver­gleichlichen Blick auf die Stadtsilhouette Dresdens inspirieren. Unter der Leitung von Aleko Adamia wurden alle Dresdner ob Künstler oder Autodidakt eingeladen zusammen zu malen. Es entstanden Werke, welche die Erwartungen der Veranstalter bei Weitem übertrafen. Be­reits nach zwei Wochen waren mehr als 60 Bilder fertiggestellt. Alle zehn Atelierplätze waren schon kurz nach Beginn des Sommerateliers ausgebucht.

Eine Jury (bestehend aus dem damaligen Leiter der Dresdner Gemäldegalerie , dem Leiter der Kunsthochschule und einem Dresdner Künstler) wählte 15 Arbeiten aus, die im Rahmen der  Filmkunstnacht – als ein programmatischer Bestandteil der Filmnächte am Elbufer – auf dem Veranstaltungsgelände ausgestellt wurden.

Zur Aufführung kam der Film „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ in der Regie von Peter Webber. Der Film, bei dem jede Bildeinstellung wie ein Gemälde wirkt, begeisterte mehr als 4.000 Besucher. Zu Beginn begrüßte Prof. Marx, der damalige Leiter der Dresdner Gemäldegalerie, die Gäste und erzählte von seinen Eindrücken des Sommerateliers und der entstandenen Bilder. An diesem Abend wurde erstmalig auf Initiative von Aleko Adamia der Canaletto Preis verliehen.

Im Anschluss an den Film bildeten sich endlos lange Schlangen der Besucher, die alle die 15 ausgestellten Werke sehen wollten. Was für ein Gefühl!

Vom Erfolg des Sommerateliers im Jahr 2005 motiviert, fand nach einer Pause von drei Jahren eine nächste, etwas andere Kunstaktion statt: Aleko Adamia und Simone Lade luden 2008 zum „Frühstück auf der Wiese“ / Aktmalerei in den Park des Japanischen Palais ein. Dabei wurde ein klassisches Thema der Malerei inszeniert und circa 20 Künstler arbeiteten vor Ort.

In Gesprächen zwischen Aleko Adamia und Jörg Polenz entstand die Idee, um das zentrale Thema Pleinair passende Rahmenprogramme zu veranstalten: Ein immer wiederkehrendes Bild war ein geöffneter Flügel in der Mitte der Parkanlage zwischen den beiden mächtigen Platanen. So entstand eine der heutigen Programmreihen des Palais Sommers: die Klaviernacht.

2009 kam Jörg Polenz mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über Kooperationsmöglichkeiten ins Gespräch. In diesem Zusammenhang wurden Möglichkeiten der Aufwertung des Standortes Japanisches Palais mit Blick auf einen Erfolg der Ausstellung „Verwandelte Götter“, die im Haus Japanisches Palais geplant war, erörtert. Dies war der Anstoß, um erste Überlegungen zu möglichen Rahmenprogrammen zum Sommeratelier aus dem Jahr 2008 zu realisieren.

Das erste eintrittsfreie Festival unter dem Namen Palais Sommer war 2009 geboren. Neben Aleko Adamia und Jörg Polenz waren  Carina Nitz und Simone Lade Mitstreiter der ersten Stunde bei der Gründung des Festivals. Die Produktion des ersten Jahres übernahm Markus Richter. Mit den Veranstaltungsreihen Götterlounge, Sommeratelier, Ausatmen im Park, Park Geflüster, Hörspielnacht, Filmgötter und Musikgötter wurden Formate getestet, die in einem Zusammenhang zur Ausstellung „Verwandelte Götter“ standen.

Die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung, mit der Ausstellung der entstandenen Arbeiten des Sommerateliers, fand im Foyer des Hauses Japanisches Palais statt. In der Gruppe von fast 30 Künstlern aus verschiedenen Ländern entstanden mehr als 100 Bilder. Der erste Palais Sommer wurde ein Erfolg.

Entwicklung zum Festival Palais Sommer

Der Park des Japanischen Palais war seit der Wende bis 2009 nur vereinzelt für Veranstaltungen genutzt worden. Eine kontinuierliche kulturelle Nutzung in Form eines Festivals fand bislang nicht statt. 

Die ersten Veranstaltungen des Pleinair 2008 und des Palais Sommers 2009 haben in der überaus positiven Publikumsresonanz deutlich gemacht, welches Potenzial in diesem Ort liegt.

Nach einer Pause 2010, es war einfach kein Geld da,  ging es 2011 mit dem Palais Sommer weiter. Aleko Adamia und Jörg Polenz gründeten zur Organisation des Festivals eine gemeinsame Gesellschaft.   Mit dem Sächsischen Staatsministerium der Finanzen wurde ein öffentlicher Förderer gewonnen, der für zwei Jahre das Festival unterstützte. Auch private Förderer trugen zur Finanzierung des Festivals bei. Maßgeblichen Anteil als Unterstützer hatte Dirk Schiemenz und sein Team von der Technikfirma Sound-Light Event, die das Festival bis 2016 unterstützten. Andrej Krabbe von der Agentur SUB Design unterstützt das Festival bis heute. Programmpartner waren u.a. Deutschlandradio Kultur für die Hörspielnächte. Mit René Pape und Peter Rösel konnten internationale Größen der klassischen Musik gewonnen werden. 

In den Folgejahren zog das Festival immer mehr Besucher an, neue Veranstaltungen kamen hinzu und mit dem Pleinair wurden immer neue Bilder für die eigene Sammlung des Festivals geschaffen.  Simone Lade übernahm mehr Verantwortung und organisierte die Durchführung des Festivals bis 2013 fast komplett allein. Nach einer Pause 2014 war Simone Lade 2015 wieder an Bord und half mit viel Engagement und Herzblut als Veranstaltungsleiterin bei der Organisation des Festivals weiter mit.

2014 begann die Visionsarbeit innerhalb des Palais Sommer Teams mit dem Ergebnis der Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft als Träger, dem Wunsch sich von der Abhängigkeit öffentlicher Förderung zu befreien und das Thema Bildung mit Kunst und Kultur zu verknüpfen. Im Focus stand ab diesem Zeitpunkt das Festival als Impulsgeber für gesellschaftlichen Wandel zu verstehen, eine ganzheitliche Entwicklung für Park und Haus anzustoßen und ein großes Kooperationsnetzwerk in der Stadt aufzubauen.

Die Entwicklung der Organisationsstrukturen in Verbindung mit der Schaffung eines ökonomischen Fundaments und einer inhaltlichen Profilierung des Festivals, sind die großen Herausforderungen für die Zukunft.

2018 haben sich die Gründer Jörg Polenz und Aleko Adamia neu organisiert. Jörg Polenz übernahm als Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Palais Sommer gGmbH die komplette Verantwortung für die Organisation und Entwicklung des Festivals. Aleko Adamia konzentriert sich als künstlerischer Leiter der Ausstellung  Kultur.Synchron auf die Entwicklung des internationalen Künstleraustausches zwischen der Kunstakademie Tbilisi und der Kunsthochschule Dresden, der künstlerischen Mentorenschaft für Meisterschüler der Kunstakademien, der Kuratierung von Ausstellungen innerhalb des Festivals und neuen künstlerischen Projekten in Deutschland und seiner Heimat Georgien.

Bereits 2015 hatte Aleko Adamia die künstlerische Leitung des von ihm begründeten Pleinair der Autodidakten an Uwe Grundmann übergeben. 2017 begann eine enge Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die das Haus Japanisches Palais im Auftrag des Freistaates verwalten. Gemeinsam möchten wir unsere Kooperation weiter ausbauen. 2018 wird die Fassade des Hauses zur riesigen Projektionsfläche für Sammlungsbilder der Staatlichen Kunstsammlungen im Rahmen des ersten Lichtfestes Dresden. Wir haben noch jede Menge Ideen und Lust diesen schönen Ort weiter zu entwickeln und allen Bürgern und Gästen der Stadt eintrittsfrei Kultur, Kunst und Bildung zu ermöglichen.