FILMNACHT ANALOG
Dresdner Animationsfilmnacht | 25 Jahre DIAF

Anlässlich seines 25. Geburtstags zeigt das in Dresden beheimatete Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) e. V. ausgewählte Werke aus dem deutschen Animationsfilmschaffen der vergangenen sechs Jahrzehnte ‒ und zwar ganz klassisch von 35-mm-Filmrollen mit einer transportablen Kinoanlage, die frei erlebbar für alle im Park aufgebaut wird.

Das DIAF bewahrt und präsentiert die Schätze des deutschen Animationsfilmschaffens, darunter die Hinterlassenschaften des einstmals größten deutschen Animationsfilmstudios: Das DEFA-Studio für Trickfilme Dresden produzierte zwischen 1955 und 1992 rund 1.500 Animationsfilme. Das vielfältige kinematografische Erbe bewegt sich von klassisch bis satirisch, von sagenhaft bis sonderbar, von „lebendigen“ Kugelschreiber-Zeichnungen bis zu aufwendigen Figurenanimationen. Einige sind beispielhaft in der „Dresdner Animationsfilmnacht analog“ zu sehen.

Mit Puppenanimation gestalteten die DEFA-Trickfilmer zahlreiche Rübezahl-Adaptionen gemeinsam mit ihren tschechischen Kollegen („Rübezahl und die bärtigen Frauen“). Mit den stark stilisierten Drahtfiguren Filopat & Patafil suchten die Dresdner Anschluss an die internationale Animationsfilm-Avantgarde und begeisterten auch die westeuropäischen Fernsehzuschauer („Galerie“). Ab den 1970er Jahren wurde der Ton im DEFA-Trickfilmstudio kritischer, neue Themen kamen hinzu. Die Dominanz des Kinderfilms wurde aufgebrochen und freie Künstler wie Helge Leiberg probierten sich kinematografisch aus („Fridolin der Schmetterling“). Die Zensur übersah, wie humorvoll die „Panne“ des DDR-Staates illustriert wurde. Und man träumte sich mit sehnsüchtig-eigenwilligen Filmhelden in die verheißungsvolle Ferne („Die Entdeckung“).

Nicht fehlen dürfen natürlich DIAF-Archivschätze aus der Nachwendezeit. Mit Virtuosität, skurrilem Humor und Selbstironie präsentieren Jochen Ehmann und Heinrich Sabl Schlaglichter aus der Filmgeschichte. Wie Phantasie und Etwas-anders-machen das Leben bereichern und verändern können, zeigen die „Rinnsteinpiraten“ und „Herbert Indianerfrosch“.

Es lebe der Animationsfilm!

mit einleitenden Worten von Nadja Rademacher, kuratorisch-wissenschaftliche Leiterin des DIAF

FILMAUSWAHL

Die sieben Rechte des Zuschauers  
DDR 1980, 2 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm, Regie: Marion Rasche/Peter Mißbach

Dem Zuschauer werden sieben Rechte beim Kinobesuch eingeräumt, darunter auch das Gähnen, Schlafen und vorzeitiges Verlassen des Kinos.

Vom Fröschlein und seinem Reifen
DDR 1964, 4 Min., Farbe, Animationsfilm (Mischtechnik), Regie: Heinz Nagel

Ein junges Fröschlein springt aus dem Teich, um die Welt zu beäugen. Es findet sie wunderschön, denn es kennt noch nicht die Gefahr, die ihm vom Storch droht.

Galerie / Filopat und Patafil    
DDR 1965/66, 5 Min., Farbe, Puppenanimationsfilm, Regie: Jörg Hermann

Herr Kurz bewacht nächtens eine Gemäldegalerie. Herbei schleicht Herr Lang mit der finsteren Absicht, die Venus aus dem Bild von Giorgione zu stehlen. Natürlich hat Herr Kurz etwas dagegen einzuwenden.

Rübezahl und die bärtigen Frauen
DDR 1979, 14 Min., Farbe, Puppenanimationsfilm, Regie: Zdeněk Vinš  

Die arme Witwe Dontovká musste viele Kinder ernähren. Sie wurde böse, als sie einen Fremden »ihre« Blaubeeren naschen sah, und nannte ihn einen bärtigen Strolch. Rübezahl fühlte sich beleidigt und ließ ihr einen Vollbart wachsen …

FRIDOLIN DER SCHMETTERLING
DDR 1982, 11 Min., Farbe, Animationsfilm (Mischtechnik), Regie: Helge Leiberg

Fridolin träumt nach seiner Tagesarbeit von schönen Libellendamen, die ihn umschwärmen, und macht sich auf die Suche nach den Schönen.

Die Panne 
DDR 1988, 3 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm, Regie: Klaus Georgi/Lutz Stützner

Auf der Autobahn steht ein Mann mit Abschleppseil und hofft auf Hilfe. Kein Fahrer hält. Schließlich erbarmt sich der Chauffeur eines kleinen Gefährts. Sein Wagen ist jedoch sehr klapprig.

META MORFOSS 
DDR 1979, 16 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm, Regie: Monika Anderson

Meta Morfoss ist ein Kind voller Phantasie. Ihr Metamorphosentalent lässt sie Verwandlungen vom Engel bis zum Krokodil vollziehen. Oft ergeben sich daraus sonderbare Situationen …

Die Entdeckung
DDR 1983, 17 Min., Farbe, Animationsfilm (Mischtechnik), Regie: Lutz Dammbeck

Eine Hummel sehnt sich während des täglichen Einerlei nach dem Unbekannten. Sie möchte zu dem See, den sie bei gutem Wetter in der Ferne sehen kann. Ein Frosch, der am See wohnt, hat ähnliche Sehnsüchte nach dem geheimnisvollen Wald.

SIRENEN
DDR 1983, 4 Min., Farbe, Animationsfilm (Mischtechnik), Regie: Klaus Georgi

Auf den Klippen sitzen die Sirenen und locken mit ihrem Gesang die Seefahrer ins Unglück. Griechen, Wikinger, Piraten… Kann wirklich niemand entkommen?

100 Jahre KINO
D 1995, 2 Min., Farbe, Puppenanimationsfilm, Regie: Heinrich Sabl

Eine Fliege setzt ein Praxinoskop in Bewegung. Der darin abgebildete Mann beginnt eine Reise durch ausgewählte Stationen der Filmgeschichte.

Mister Eastman
D 1995, 5 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm, Regie: Jochen Ehmann

Erbaulich-Skurriles aus dem Leben und Wirken des legendären amerikanischen Erfinders und Kodak-Gründers George Eastman.

RINNSTEINPIRATEN
D 1993, 10 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm/Realfilm, Regie: Christina Schindler

Ein Kind faltet ein Papierboot und setzt es in den Rinnstein. Als der Regen das Schiffchen zum Kentern bringt, krabbeln drei kleine behaarte Wesen heraus, richten das Boot auf und los geht es!

Die Lösung
DDR 1988, 3 Min., Farbe, Zeichenanimationsfilm, Regie: Sieglinde Hamacher

Ein Schwarm Vögel lässt sich auf einer Telefonleitung nieder. Alle Köpfe weisen in eine Richtung – wie der Chef. Der kleinste Vogel jedoch schaut in die entgegengesetzte Richtung und freut sich des Lebens.

Wir zeigen den Film mit Original 35mm Filmrollen auf einer mobilen Kinoanlage, die freistehend im Park zu erleben ist.

Die Musik vor und nach der Veranstaltung und die Wurfsendungen werden zusammengestellt von Deutschlandfunk Kultur. Mit den Wurfsendungen werden unsere Gäste jeden Abend für ein paar Minuten in die kurzweilige, unterhaltsame und skurrile Welt des Minihörspiels entführt.

Programmpartner DIAF | Danke an Peter Müller und Fabian Bräuninger | unterstützt durch Rundkino Dresden

 

Yogamatten, Decken und Liegestühle können am Kulturcounter im Park ausgeliehen werden. 


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