Datum/Zeit
30.07.2020
22:30

Ort
Park Japanisches Palais
Palaisplatz 11, 01097 Dresden

Rahmenprogramm
Nachttheater – Kafka’s Affe – Ein Bericht für eine Akademie
mit Hans-Peter Trauschke - Regie / Bühne / Spiel

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Hans-Peter Trauschke

1965 in Offenburg geboren, besuchte er ab 1983 – 1990 das Studiotheater in München, um Schauspiel, Regie und Bühnenbild zu studieren. Seither hat er annähernd 100 Theater- und Kunstproduktionen realisierte 33 Theaterproduktionen, darunter: „Danton lebt!“, Inspiriert von Georg Büchner und aufgeführt im Japanischen Palast in Dresden. 19 Kunstproduktionen, darunter: „Basisfarben“ mit Paul Heimbach für Lille, Kulturhauptstadt Europas, und „WÆNDE“ in Dresden. 14 Regiearbeiten, darunter: „Ich, Feuerbach“ von Tankred Dorst, anlässlich der Verleihung des Büchner-Preises 1990 im Gasteig-Kulturzentrum in München. 31 Bühnenbilder, darunter: „Die lange Nacht von Thomas Bernhard“ beim Thomas Bernhard Festival in Berlin. HP Trauschke hat in mehr als 4000 Shows mitgewirkt, darunter „Kafka‘s Affe“ in der Actors‘ Gang in Los Angeles. Derzeit lebt er in Berlin und hat EXit productions gegründet, um sein bisheriges Werk zu archivieren und seine zukünftigen Produktionen auf den Markt zu bringen. Weitere Infos unter https://www.bluebox.earth/

Kafkas Affe – Ein Bericht an eine Akademie

In Kafkas Affe – Ein Bericht an eine Akademie präsentiert der ehemalige Affe Rotpeter einer Konferenz in der Wissenschaftlichen Akademie einen Bericht über seine Erfahrungen mit der Gefangennahme und dem Käfig auf einem Schiff, das vom Dschungel Westafrikas nach Europa fährt. Um der Gefangenschaft zu entkommen, beobachtet er die Gewohnheiten der Besatzung und beginnt ihr Verhalten nachzuahmen. Er tut dies mit Leichtigkeit und stößt nur dann auf Schwierigkeiten, als er lernt Alkohol zu trinken. Obwohl Rotpeter nicht menschlich werden will, muss er es, um Freiheit zu erlangen. Er sagt wiederholt: “Es hatte keine Anziehungskraft für mich, Menschen nachzuahmen; ich habe sie nachgeahmt, weil ich einen Ausweg suchte, und aus keinem anderen Grund.” Bei seiner Ankunft in Europa hat er die Wahl zwischen einem Aufenthalt im Zoo oder in dem Varieté. In dem Wunsch, im Varieté zu leben, gewöhnt sich Rotpeter voll und ganz an menschliches Verhalten, um auf der Varietébühne aufzutreten. Nachdem seine Transformation abgeschlossen ist, kann er sich nicht mehr an sein früheres Leben als Affe erinnern. In Hans Peter Trauschkes Adaption von Kafkas Affe erstellt Rotpeter ein Videoband, das an die Akademie gesendet werden soll. Durch das Medium Video werden dem Publikum verschiedene Texte präsentiert, die Kafkas virtuose Prosa hervorheben.

Hans Peter Trauschke spielt, entwirft und inszeniert seit 30 Jahren Kafkas Affen. 1984 entwarf er das Bühnenbild für die Produktion unter seinem Meister Gunnar Petersen. 2008 inszenierte die Schauspielerin Miriam Goldschmidt, die häufig in Peter Brook-Produktionen zu sehen ist, Kafkas Affen mit Hans Peter Trauschke als Rotpeter.

Kritik LA Weekly

NEUER RÜCKBLICK KAFKAS AFFE – EIN BERICHT AN EINE AKADEMIE Armer Franz Kafka. Der Vorkriegs-Prosa-Meister der sardonischen Groteske hat im englischsprachigen Raum ein gewaltiges Drubbing erlebt, nicht zuletzt durch minderwertige Übersetzungen. Diese haben die ätzende Ironie seiner schlau subversiven Chroniken des Strebens des Menschen nach Würde im entmenschlichenden bürokratischen Fegefeuer des Industriezeitalters so gut wie ausgeräumt. Grund genug, die schillernde deutschsprachige Inszenierung von Kafkas mordacious Monolog von 1917, in dem ein bekannter Schimpanse, Rotpeter (HP Trauschke in einer Tour de Force-Aufführung), über die fünfjährige Odyssee seiner Entführung berichtet, zu feiern im Dschungel Afrikas zu seinem Ruhm in den Musikhallen Europas. Unterstützt von englischen Untertiteln (in einer Übersetzung, die mit bisher fehlenden, kafka-artigen Aromen von Bruce Anderson gewürzt ist) und einer großen Videoleinwand, die extreme Nahaufnahmen der Action auf der Bühne projiziert und manchmal abstrahiert, HP Trauschke (dem auch die Regie und das Bühnenbild zugeschrieben wird) artikuliert Rotpeters Entschlossenheit, dem Schicksal des Lebens hinter den Gittern eines deutschen Zoos zu entkommen, indem er zunächst das lakonische Verhalten seiner Entführer nachahmt und es später durch die Erziehung und Sprache des “durchschnittlichen Europäers” ergänzt. Durch die Wiederherstellung der ursprünglichen, gutturalen Poesie und syntaktischen Musik von Kafkas Muttersprache – auch wenn er die Untertexte mit trägen Pausen, Silbenverschiebungen von Affenwut und wehmütigem Bedauern zu schockiertem Verständnis analysiert – unterstreicht der Schauspieler HP Trauschke auch eloquent Kafkas höchste Ironie : Durch die Übernahme der Eigenschaften der menschlichen Zivilisation hat Rotpeter lediglich eine Art Käfig gegen eine andere getauscht. (Bill Raden)


Die Musik vor und nach dem Konzert und die Wurfsendungen werden zusammengestellt von Deutschlandfunk Kultur. Mit den Wurfsendungen werden unsere Gäste jeden Abend für ein paar Minuten in die kurzweilige, unterhaltsame und skurrile Welt des Minihörspiels entführt.

Die Musik zur künstlerischen Gestaltung der Fassadenillumination des Japanischen Palais hat der Dresdner Künstler Jan Heinke eigens für unser Festival komponiert und arrangiert. Danke dafür!

Yogamatten, Decken und Liegestühle können im Park ausgeliehen werden.